Praktische Fragen

Schwangerschaftsabbruch wg Corona?! Schliesst neg. Test Infektion aus? Verseuchte Hände? Freundin treffen? Zusammen Autofahren? Nachbarskinder? Covid-19 anders als eine jährliche Grippe? Husten seit 6 Wochen: Corona? Händewaschen mit was? Masken und Gummihandschuhe? Druck auf der Lunge! Gefahr im Treppenhaus? Sind Verpackungen Virusträger? Enkel und Grosseltern? Wie gut ist Immunität? Ansteckung beim Spaziergang?

LiebeKollegin,
Deine Patientin war einem Risiko für eine SARS-CoV2-Infektion ausgesetzt, ist in der 6. Schwangerschaftswoche und möchte jetzt einen Schwangerschaftsabbruch durchführen.

Medizinisch ergeben sich wegen SARS-CoV2 kein Gründe für einen Schwangerschaftsabbruch. Eine Schwangerschaft ist kein erhöhtes Risiko sich anzustecken und auch kein Risiko für einen schweren Verlauf der Corona-Infektion. Umgekehrt ist eine Corona-Infektion in der Frühschwangerschaft kein Risiko für den Schwangerschaftsverlauf und soweit wir wissen können auch kein Risiko für das Neugeborene.

Die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs mit Medikamenten oder mit der chirurgischen Methode bedarf kaum einer Anpassung. Bei der Untersuchung der Patientin und beim Operieren in Lokalanästhesie ist es ratsam, dass sowohl das Personal als auch die Patientin einen Mundnasenschutz trägt.

Mit lieben Grüssen
André

Lieber Herr Seidenberg,
meine Arztpraxis hat mich abgewimmelt. Aber mein Partner konnte sich im Testcenter testen lassen, weil er als Sozialarbeiter bald wieder arbeiten soll. Der Test war negativ, was uns angesichts meiner Symptome ziemlich erstaunt hat. Anders als ich hatte mein Partner lediglich ein bisschen Husten, sonst nichts, und zum Testzeitpunkt lag die Infektion ca. 3 Wochen zurück. Kann es sein, dass sich die Viren bei ihm einfach nicht mehr nachweisen liessen? Ansonsten müssen wir wohl davon ausgehen, dass es doch etwas anderes war. Eine beruhigende, zugleich aber auch beunruhigende Vorstellung, da der Krankheitsverlauf bei mir und auch die schwachen Symptome unserer Kinder so waren, wie es beschrieben wird.
Ich hoffe, Ihnen geht es nach wie vor gut!
Ganz herzliche Grüsse
Z.

Liebe Frau Z.
Tut mir leid, wenn es bei Ihnen nicht geklappt hat mit einem SARS-CoV-2-Antikörper-Nachweis. Die breite Einführung des Antikörpertests («Corona-Serologie») verzögert sich mehr als wir dachten. Eine negative Corona-Serologie schliesst eine vorangegangene Covid-19-Erkrankung nicht aus. Wir wissen noch nicht, wie sensitiv unsere serologischen Tests sind. Es kann sein, dass sich Antikörper bei ihrem Freund nicht mehr nachweisen liessen. Oder wurde bei ihrem Freund doch keine Blutuntersuchung und «nur» ein Abstrich gemacht (keine Serologie sondern «nur PCR»)? Ist das für Sie klar genug? Vielleicht lesen Sie auch unter Allgemeine Fragen über serologische Tests über diese Frage. Zögern Sie nicht noch einmal zu schreiben.

Mir geht es gut, Danke der Nachfrage
Bliibäzi xund
André Seidenberg

Lieber André
Ich habe mir angewöhnt, im interesse einer sauberen umgebung um unser haus herumliegenden abfall (leere büchsen, flaschen, plasticsäcke etc.) aufzulesen und in den nächsten kübel zu werfen.
Frage: Kann das Corona-virus durch die (unverletzte) haut meiner hand in meine blutbahn eindringen?
Wenn ja: Wieviel zeit bleibt mir bis zum gründlichen händewaschen oder -desinfizieren, um das zu verhindern? (Ich setze voraus, dass ich zwischen dem kontakt mit dem abfall und dem händewaschen NICHTS weiter berühre.)
Herzlichen dank für deine kompetente antwort und lieben gruss
Amie

Liebe Annemarie

Herumliegender Abfall, den Du schilderst, ist tatsächlich eine potentielle Infektionsquelle. Das Händewaschen ist nicht zeitkritisch. Gründliches Händewaschen nachher bietet genügenden Schutz. Corona-Viren können nicht durch die intakte Haut dringen. Offene Wundflächen in der Haut, rissige Haut kann von Corona-Viren vielleicht überwunden werden. Wichtig ist es, sich mit potentiell verschmutzten Händen nicht ins Gesicht zu fassen. Wir müssen uns, wie Medizinalpersonen angewöhnen, uns jederzeit bewusst zu sein, wie und wo unser Körper kontaminiert sein könnte. Wo habe ich hingefasst?

Einen schönen Tag und bliib xund!
André

 

Ich gehöre mit 68 Jahren zur Risikogruppe in der Coronakrise. Ich lebe allein und halte mich an die Vorschriften. Nun werde ich immer wieder von Freundinnen angefragt, ob wir nicht zusammen spazieren gehen oder uns mit genügendem Abstand auf einen Apéro treffen könnten, z.B. in einem Park. Ich weiss nicht, ob das unbedenklich ist?
Liebe Grüsse
Hedy

Liebe Hedy

Danke für Deine Frage, die viele beschäftigt. Unbedenklich ist ein solches Treffen nicht. Was musst Du bedenken? Kann der Abstand eingehalten werden? Wird sich meine Freundin an die Regeln halten? Zwei Meter Abstand ist vernünftig, weil bei einem plötzlichen Husten oder Niessen, die Chance einer Ansteckung genügend gering ist. Das gilt beim Apéro genauso wie beim Spazieren oder Treffen im Park. Treffen wir uns zu einer Zeit, wo wenig andere Leute unterwegs sind, so dass wir auch zu zweit genug ausweichen können?

Alles gute und bliib xund!
André

Lieber Herr Seidenberg,
Wir hüten seit drei Wochen drei Mal vier Stunden zwei Nachbarskinder (1+3 Jahre). Das heisst, vorwiegend hüten meine Töchter die Kinder. Die Kinder werden nur zu Hause und bei uns betreut.
Nun wurde eine meiner Töchter (15 Jahre) angefragt, ob sie ab und zu ein anderes Nachbarskind (beim Kind zuhause) hüten würde. Kann sie da unbedenklich zusagen oder wäre es besser, wenn sie es lassen würde?
Wir kennen diese Familie nicht und wissen nicht, wieviele Kontakte sie sonst noch pflegen.

Liebe Frau T.

Das sind die Fragen, denen wir uns alle stellen müssen. Die Entscheidung, ob ihre Tochter ein weiteres Kind hüten darf, müssen Sie letztlich selber fällen.

Unbedenklich ist es nicht. Wir alle sind im unmittelbaren Umfeld auch zu Viren-Gemeinschaften geworden. Die Infektionsgefahr ist im unmittelbaren Umfeld am grössten, dort wo wir uns doch am sichersten fühlen müssen. Je mehr Anschlüsse an Infektionsquellen Ihre Virengemeinschaft hat, desto grösser ist das Risiko einer Ansteckung. Die Kleinkinder, die sie hüten, sind möglicherweise nicht in einer Kinderkrippe, das Sie sie ja hüten. Sie befürchten, dass dieses neue Kind einem unbekannten Infektionsrisiko ausgesetzt ist. Vielleicht sind die Gründe zu gewichtig, diese Anfrage trotzdem nicht abzulehnen, und ihrer Tochter das Hüten dieses Kindes zu erlauben.

Bliibäzi xund!
André Seidenberg

 

Lieber Däni,
Geht es Dir gut? Was tut sich in Kolumbien? Halten die Leute die nötige Distanz? Gerne zu Deinen Fragen:

Was ist anders als bei einer der jährlichen Grippe-Pandemien?

Eine normale Grippe-Welle erfasst vielleicht 10 Prozent der Bevölkerung. Von diesen 10 Prozent stirbt jeder Tausendste an Influenza. Vielleicht darf man sagen, dass Grippe eine der Todesursachen ist, an welchen alte Menschen halt irgendwann sterben. Warum stecken sich nicht jedes Jahr mehr als 10 Prozent der Menschen an. Die meisten Menschen haben eine Teilimmunität gegen das jährlich neue Grippevirus, weil sie geimpft sind oder weil ihr Immunsystem ähnliche Virenstämme aus früheren Jahren schon kennt.

Gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 besteht keine Teilimmunität. Die vier bekannten, harmlosen Erkältungsviren aus der Gruppe der Coronaviren erzeugen keine Immunität zum Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung. Die Vorhandenen Pandemie-Daten zeigen, dass ohne Kontrollmassnahmen deutlich mehr als ein Viertel der Menschen sich infiziert. Mindestens ein Prozent der Infizierten stirbt an Covid-19, bei Menschen in unserem Alter über 65 sind es deutlich mehr.

Was wäre geschehen, wenn die Schweiz keine Kontrollmassnahmen ergriffen hätte: Lass uns mit zurückhaltenden Annahmen rechnen.

Bevölkerung Schweiz 8 500 000
Covid-19 Infizierte 2 125 000
Todesfälle Covid-19 21 250
Todesfälle Normaljahr 65 000

Nehmen wir an, von den 8.5 Mio hätten sich ein Viertel innerhalb weniger Wochen infiziert. Von diesen gut zwei Mio wären «nur» ein Prozent gestorben. Das wären ein Drittel mehr Todesfälle als in anderen Jahren. Das Gesundheitswesen wäre kollabiert; andere Krankheiten hätten nicht mehr angemessen behandelt werden können, was noch einmal einen zusätzlichen Blutzoll gefordert hätte. Das sind vorsichtige Annahmen und es hätte alles auch zwei oder dreimal schlimmer werden können.

In vielen wenig entwickelten Ländern leben nur wenig alte Menschen. Wegen der schlechten Gesundheitsversorgung haben weltweit viele Menschen ein schwaches Immunsystem. Auch für ein Land wie Kolumbien muss von einer Covid-19-Sterblichkeit von eher mehr als einem Prozent ausgegangen werden. Auch in Kolumbien wurden Massnahmen ergriffen. Wie wirksam und zweckmässig kann ich nicht beurteilen. Der Kollaps des Gesundheitswesens kann in Kolumbien das Staatswesen erneut an den Rand des Funktionierens treiben. Hoffen wir nicht. Mindestens die Hälfte der Menschheit lebt in Ländern, welche für Corona-Pandemie nicht genügend gewappnet sind. Ein halbes bis ein Prozent der Menschen weltweit könnte an Covid-19 sterben: 30 bis 100 Millionen Menschen sind leider realistisch.

Wurden klare Kriterien dafür festgelegt, wie eine Erkrankung bzw. ein Todesfall als dem Covid-Sars 19 Virus geschuldet in die Statistik einfliessen soll oder ist dafür nur ein positiver Test erforderlich?
Ich kann das nur für die Schweiz beurteilen. Gemäss Meldekriterien-Covid-19 muss der behandelnde Arzt den Todesfall von mittels PCR laborbestätigten COVID-19-Fällen innerhalb von 24 Stunden sowohl dem Kantonsarzt als auch dem Bundesamt für Gesundheit melden.

Zudem muss der behandelnde Arzt, der bei einem Sterbefall einen Totenschein ausfüllt, einige Tage später zuhanden des Sterberegisters eine Hauptursache und ein bis zwei Nebenursachen angeben. Der Arzt schreibt also beispielsweise Hauptursache: Pneumonie/Lungentzündung und Nebenursachen Covid-19 und generalisierte Arteriosklerose. Aus diesem Sterberegister wird man in einem Jahr definitive Zahlen gewinnen können, welche eine Kontrolle der Meldedisziplin erlauben.

Ich habe gelesen, dass die Tests zu 47% falsch positive Resultate produzieren. Stimmt das bzw. wie steht es damit?

Die bis jetzt zur Anwendung gekommenen PCR-Tests aus Abstrichmaterial sind viel spezifischer und falsch positive Testresultate sind weniger häufig als ein Prozent. Vermutlich bezieht sich Deine Zahl auf einen schlechten experimentellen Antikörpertest im Blut. Die Sensitivität eines Tests ist meist entscheidender: Wir wollen keine falsch negativen Resultate, keine unerkannt Infizierten. Bei einem Suchtest nimmt man einen gewissen Fehler bei der Spezifität in Kauf um eine hohe Sensitivität zu erreichen: Gelegentlich ein falsch positives Testresultat ist nicht weniger schlimm als verpasste Corona-Infektionen. Der PCR-Test ist nur so sensitiv, wie er angewendet wird. Wer symptomlose Menschen mit PCR aus Abstrichmaterial auf SARS-CoV-2 testet wird nicht erkennen können, ob der betreffende Mensch noch nicht und vor allem nicht mehr Corona-Viren ausscheidet.

Todo claro, mi hermano?
Bliib xund

Guten Tag
Vor 6 Wochen erkrankte ich für einen Monat und bin auch heute noch am Husten. Noch nie hatte ich so eine schwere Erkältung! Kann es sein, dass ich ohne Fieber ein Covid-19 Trägerin bin?
Hier meine Geschichte, falls sie Zeit habe diese zu lesen: Ich war bei 2 verschiedenen Ärzten, welche sagten, dass ich kein Corona hätte. Ich habe nie Fieber, schon seit meiner Kindheit nicht mehr. In der 2 Wochen (also schon nach TelMed und 2X Hausärztin) bekam ich Lungenbeschwerden, das heisst die Geräusche der Lungen waren so laut, dass ich nicht schlafen konnte. Auch der Husten der auf etliche Medikamente gar nicht reagierte hielt mich zusätzlich vom Schlaf ab. TelMed riet mir sofort zum Arzt zu gehen. Es war Samstag und Permanence und ähnliche Institutionen waren überlastet. Schlussendlich fand ich einen Arzt der einen Hausbesuch bei mir machte und mich nach dem Abhören der Lunge gleich mit zum Röntgen nahm. Die Lunge war zu meinem Erstaunen in Ordnung. Ich erhielt weitere Medikamente die nichts bewirkten. Eine Woche später (der Husten liess mich kaum schlafen) bekam ich Kodein. Eine einzige Tablette Abends verursachte extremes Kopfweh (ich habe sonst nur alle paar Jahre mal leichte Kopfschmerzen) und ich konnte für einen Tag keine Flüssigkeit mehr bei mir behalten. Ich traute mich nicht eine weiter Tablette zu nehmen und am nächsten Tag war der Spuk wieder vorbei. Der Erkältungszustand blieb unverändert (mit Massen von Medikamenten, Chemie und Natur). Dann bekam ich Kortison, dies gab einen ganz leichten Schub nur, so dass ich nach 3 Woche an Besserung glaubte. Der Schnupfen ging fast weg, aber der Husten blieb stark. Noch immer plagt mich der Husten und alle um mich rum denken natürlich ich hätte das Corona. Vor 2 Wochen wollte ich unbedingt einen Test machen um Klarheit zu schaffen. Meine Hausärztin bat mich aber zu verzichten, weil in ihrer Gemeinschaftspraxis nur 5 Tests zur Verfügung stehen pro Tag (für alle Ärzte). Die Praxis sei voll und sie hätten dringendere Fälle. Da habe ich natürlich verzichte… Inzwischen gibt es in unserem Haus neu 2 getestete Coronafälle und Verdachtsfälle…. Ab und zu habe ich natürlich ein schlechtes Gewissen, denn ich bin verunsichert, ob ich vielleicht nicht doch die Verursacherin bin für die Ansteckungen. Ich habe alle mit den Worten beruhigt, dass 2 Ärzte unabhängig voneinander gesagt haben ich hätte sicher kein Corona….
Vor etwa 7 Wochen war ich im Tessin bei einem Grossanlass: Carnevale. Da war Corona aber noch nicht gross ein Thema dort.
Danke für Ihre Einschätzung!
Mit freundlichen Grüssen

Guten Tag Frau N.
Coronaviren sind nicht die wahrscheinlichste Erklärung für Ihre Beschwerden. Ich verstehe aber, dass Sie vor allem Covid-19 befürchten. Ein üblicher Corona-Test ist bei Ihnen auch nicht mehr aussagekräftig, da ihre Symptome schon viel länger als zwei Wochen andauern. Aussagekräftig wären Corona-Antikörper-Tests, eine Corona-Serologie.

Ihr Arzt kann durch eine Blutentnahme Corona-Viren durch SARS-CoV-2-Antikörper suchen lassen. Das Institut der medizinischen Virologie UZH macht solche Corona-Antikörper-Tests in einer Testphase (Die Entwicklung der Corona-Serologie ist schon weit fortgeschritten aber die Beurteilung der Resultate muss vorsichtig erfolgen; insbesondere Sensitivität und Spezifität der Tests ist noch unklar). Wenn keine Antikörper gegen die aktuellen Corona-Viren nachgewiesen werden, ist eine Ansteckung in ihrem Fall praktisch auszuschliessen. Falls Ihr Arzt keine Untersuchung durchführen kann, kann er sie an das Covid-19-Testzentrum am Hirschengraben 84 in Zürich überweisen.

Dringender als eine Corona-Diagnostik scheint mir die ganz normale Lungenärztliche Abklärung mit einem Blutbild, evtl. Röntgenbild, Lungenfunktion und evtl. die Suche von allen anderen in Frage kommenden Erregern.

Gute Besserung
Alles Gute
André Seidenberg, Dr. med.

Lieber André,
in unserem Büro tragen einige Kollegen Masken und einer sogar blaue Gummihandschuhe. Nützt das überhaupt etwas? Brauchen wir nicht medizinische Masken?

Lieber Hans,
Masken nützen nur wirklich, wenn die Trägerin oder der Träger das richtig macht und geübt ist. Es ist im Prinzip wie bei den Chirurgen im OP. Masken müssen einmal angezogen werden, gut auf dem Nasenrücken angepasst werden und dürfen dann nicht mehr angefasst werden. Wenn die Maske später doch noch angefasst wird, sind die Hände nicht mehr keimfrei. Eine getragene Maske kann kontaminiert sein und ist keinesfalls steril.
Die Qualität der Masken spielt nur im medizinischen Setting eine Rolle. FFP2 oder FFP3 Masken sind dort zusammen mit Schutzbrillen und Schutzkleidung zum Schutz der Patienten und zum Selbstschutz notwendig. Der Schutz ist nur bei korrekter Handhabung gewährleistet. Theoretisches Wissen und trotzdem falsche oder unsorgfältige Praxis kann verheerend sein. Es lohnt sich, sich gegenseitig zu helfen und zu instruieren.
Einen Schal vor den Mund zu halten ist nicht wirksam. Die verschmutzte Hand überträgt die Keime trotzdem auf andere, oder nimmt sie nimmt Keime irgendwo auf und steckt den Schalträger / die Schalträgerin an.

Gummihandschuhe: Sie sind an einem nichtmedizinischen Arbeitsplatz kaum von Nutzen. Corona-Viren können nicht durch die Haut in den Körper gelangen. Sobald ich mit Gummihandschuhen möglicherweise mit Corona-Viren verschmutzes Material oder Arbeitsflächen berührt habe, kann ich damit die Coronaviren genauso weiterverschleppen wie mit meinem nackten Händen. Wenn ich mit den kontaminierten Handschuhen meine Brille anfasse, mir die Augen, Nase oder den Mund abwische, kann ich mich anstecken. Gummihandschuhe helfen vielleicht wetwas zu zögern, bevor ich mir selbst an die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund fasse.

Deine Antwort hat mich verunsichert! Wir haben noch 50 Hygienemasken aus der Zeit der Vogelgrippe. Da steht drauf «Sie erfüllen die Anforderungen gemäss Empfehlung im Influenza Pandemieplan für die allgemeine Bevölkerung». Ich passe jeweils die Maske zu Hause an, biege also den steifen oberen Maskenrand an der Nase zurecht und trage sie um den Hals. Ich ziehe sie erst über Kinn und Nase, wenn ich viele Leute sehe, zB bevor ich in den Laden reingehe. Und wenn ich wieder rauskomme, ziehe ich sie wieder unter das Kinn, um wieder frei schnaufen zu können. Auch verwende ich die gleiche Maske mehrmals. Ist das ok so?

ASe: Lieber Urs,
Lieber Urs, Deine Fragen sind völlig berechtigt!
1. Vom Aufdruck her abgelaufene Masken sind mit grosser Wahrscheinlichkeit funktionstüchtig. Sie können ausserhalb von Hochrisikosituationen sicher gebraucht werden. Ich hatte zu Zeiten von SARS auch einen zu grossen (?) Stock an Masken gekauft und in meinen restlichen Praxisjahren nicht mehr alle verbraucht...
2. Wenn Du aus dem Einkaufsladen kommst, hast Du dann saubere Hände? Desinfiziere Deine Hände bevor Du Dir Deine Maske richtest oder direkt an die Schleimhäute von Augen, Nase oder Mund fasst!

3. Entsorge eine Maske nach Gebrauch, zumindest wenn Du im Zweifel bist, dass sie verseucht sein könnte. Alles klar?

Barbara, meine Nachbarin hat eine modisches Nähatelier. Sie wurde von der Intensivpflege angefragt, ob sie dringend benötigte Masken nähen könnte. Es war kein Wirtz. Die Masken der kantonalen Gesundheitsdirektion sind noch nicht erhältlich.

Barbara erhielt eine Anleitung. Barbara kann von Hand vielleicht vier Masken pro Stunde nähen. Viele Leute können viele Masken machen. Nachbar mit Maske.

Die Masken sind ein Behelf. Sie schützen die Trägerin oder den Träger weniger gut als dass sie die menschliche Umgebung vor dem Träger oder Trägerin schützen.

Lieber André,
eine Mitarbeiterin verspürt seit einer Woche einen Druck auf der Lunge. Manchmal sticht es sie und die Luftröhre macht ihr zu schaffen wie nach dem Joggen in kalter Luft. Sie ist matt und manchmal kurzatmig... Sie fragt sich, ob sie das Virus erwischt hat?! Temperatur und Husten hat sie aber nicht.

ASe 24.3.20: Liebe Regula, Corona ausschliessen kann ich so nicht, aber es ist unwahrscheinlich. Bliibäd xund!

Meine Tochter beginnt am Montag eine neue Stelle in Teilzeitarbeit als MPA. Sie ist alleinerziehend, die Tochter ist 7Jahre. Leider fehlt es in unserer Gemeinde an Betreuungsplätzen u somit ist die Situation schwierig. Ich würde gerne die Betreuung übernehmen, bin aber 71Jahre in sehr gutem AZ, treibe täglich Sport usw. Ist das zumutbar in einer Notlage? Was meinen Sie?
Vielen Dank für eine Antwort!

Liebe Frau oder Herr H.

Sie stellen eine schwierige Frage. Um das Risiko abzuschätzen müssen Sie sich folgende Fragen beantworten:

- Hat Ihre Tochter und ihre Enkelin keine Symptome wie Fieber, Husten und evtl. Halsweh?

- Wie sehr war Ihre Enkelin in den vergangenen mindestens 5 Tagen einem Risiko ausgesetzt (Exposition)?

- Wie sehr wird ihre Enkelin in den nächsten Tagen bei Ihnen / in ihrer Umgebung einem Risiko ausgesetzt sein (Krippe, Spielplatz)?

- Wird ihre Tochter mit der Enkelin und Ihnen engen Kontakt haben? Ihre Tochter ist als MPA je nach dem einem grossen Infektionsrisiko ausgesetzt.

Mit 71 Jahren sind Sie trotz guter Fitness einem etwas erhöhten Risiko einer schweren Erkrankung ausgesetzt. Wenn Sie keine weiteren Risiken als das Alter haben ist ein tödlicher Krankheitsverlauf wenig wahrscheinlich.

Sie sehen, ich kann nur Fragen aufwerfen; beantworten müssen Sie diese letztlich selber.

Bliibäzi xund, Aläs Guäti!
André Seidenberg

Lisanne 27.3.20: Ich frage mich nur, lieber André, ob man tatsächlich schon so sicher sagen kann, dass eine durchgemachte Covid19-Infektion immunisiert (und wie lange, wenn dem so ist). Nach meinem Stand des Irrtums war es bei durchgemachten SARS- und MERS-Infektionen nicht der Fall.

ASe 27.3.20: Liebe Lisanne,

tatsächlich kann heute diese Frage noch niemand schlüssig beantworten. Wir wissen nicht, welche Menschen, und wie viele Menschen, wie gut wirksame Antikörper produzieren und wie lange die Immunität wirksam bleibt. Aber wir haben gute Hinweise, dass viele und hoffentlich fast alle nach einer druchgemachten SARS-CoV-2-Infektion eine gute Immunität besitzen:
- An diesem Corona-Virus erkrankte Menschen bilden Antikörper, welche im Labor Eigenschaften einer guten Wirksamkeit (Avidität, Neutralisierung) zeigen. Das enspricht zeitlich auch dem klinischen Bild. Die spezifische Antikörperbildung gegen den Covid-19-Erreger scheint die Heilung zu bewirken.
- An Covid-19 Erkrankte bilden verhältnismässig wenig IgM-Antikörper aber viel IgG-Antikörper, was ebenfalls auf die Ausbildung einer heilenden und zumindest mittelfristig guten Immunität deutet.
Wegen der Immunität bei MERS und SARS weiss ich nicht Bescheid. Woher hast Du das? Soll ich suchen?
Bliib xund!
André

Maja 27.3.20: Lieber André,
Ich habe eine Frage:
In Nordsyrien will der kurdische Rote Halbmond Hygienekits für die intern Vertriebenen (IDP) in den Lagern verteilen, die wir von medico in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich finanzieren. Dabei schlagen sie eine Seife vor: Dettol. Ist die besser als gewöhnliche Seifen gegen den Covid 19 Virus? Hände waschen ist je eine wichtiger Schutz gegen die Übertragung des Virus.

ASe 24.3.20: Liebe Maja,

Händewaschen schützt unabhängig von der Art der Seife sehr gut. Nach gutem Händewaschen findet man praktische keine Corona-Viren und fast keine anderen Keime mehr. Dettol ist gegen viele Keime vielleicht wirksamer als eine gewöhnliche Seife. Die Seife löst Substanzen und Partikel von der Hornschicht der Haut. Wasser und Reiben schwemmt die Krankheitserreger weg.

Liebe Maja, Bliib xund!

Manuela 27.3.20: Lieber Andre,
Bei uns im Haus Hustet und niest ständig jemand. Meine Nachbarin ist verängstigt ,ich auch ,wir benutzen dieselbe Waschküche und es hat keine Desinfektionsmittel .Nàchste woche kommt ein Nachbar zurück der ist auch erkrankt ,hat aber keinen Test gemacht. Wie gefährlich ist das  Treppenhaus resp.Waschküche? Ich bind mir sicher dass de Korona ein durchdachten Plan von Jemanden ist. Dass es keine Handschuhe, Masken ,Desinfektionsmittel weltweit gibt, finde ich sehr sehr komisch. Bin am Masekn nähen.

Liebe Manuela,
Gut von Dir zu hören, dass Du gesund bist. Deine Frage ist sehr wichtig. Wo kann ich mich zuhause anstecken?
Wenn ich vermeide angehustet zu werden und nichts anfasse, das mit Corona-Viren in Kontakt gekommen sein kann, bin ich schon recht gut geschützt. Denn Corona-Viren sind keine Pestbazillen, die auf Flöhen herumspringen. Sie werden durch kontaminierte Hände, durch Hustenstösse und seltener durch Niessen übertragen. (Niessen ist nicht ein häufiges Symptom von Covid-19). Die Ansteckung erfolgt meist durch angesteckte Familienangehörige zuhause oder durch Kontakte in zu engen Räumen.
Im Treppenhaus ist der Handlauf am ehesten mit Corona-Viren in Kontakt gekommen. In der Waschküche finden sich am ehesten an Türgriffen unsichtbare Verschmutzungen mit Corona. Im Lift kann man durch Anhusten jemanden anstecken oder an den Flächen, die oft angefasst werden. Alles was oft angefasst wird kann am ehesten kontaminiert sein. Diese Flächen sollen oft gereinigt werden, wo viele Menschen sich aufhalten.
2 Meter Abstand schützt vor dem Angehustet-werden. Wenn ich draussen jemanden passiere, kann ich mich dabei praktisch nicht anstecken.
Masken und Handschuhe nützen nur, wenn ich weiss wie und in der Nutzung geübt bin, sie korrekt zu benutzen.
Bliib xund!

Liebe Helena

Lieber André
Ich habe ein Anliegen: gehöre zu den Alten und isoliere mich strikt. Gehe 2x pro Tag mit meinem Hund in den nahen Wald- dort wird von fast niemandem ein minimaler Abstand eingehalten- weder Spaziergänger, Velofahrer oder Jogger. Ich stelle mich dann abseits des Weges ( oft ist er mindestens 3 m breit) in den „Dreck“ und bitte die Menschen freundlich Abstand zu halten- was in der Mehrzahl nicht passiert. Könnte man das nicht auch veröffentlichen? Zuhause ist Quarantäne- im Wald ist alles erlaubt...
Herzliche Grüsse Helena

Deine Frage ist wichtig. Bewegen im öffentlichen Raum kann wegen Corona Angst und Unsicherheit auslösen. Sich beim Spaziergang anzustecken ist aber unwahrscheinlich. Corona-Viren springen nicht herum. Sie sind keine Pestbazillen, welche auf Flöhen von einem Menschen zum anderen transportiert werden. Wenn jemand in 2 Metern Entfernung oder mehr Hustet oder eine feuchte Aussprache hat, ist eine Infektion fast nicht möglich. Das Speichel-Tröpfchen müsste nämlich genau auf die Schleimhaut treffen. Wenn viele Menschen an der Seepromenade, auf einem Markt oder im Lebensmittelladen oft den Mindestabstand unterschreiten, und viele sich sogar auf Berührungsdistanz bewegen, kann eine solche Begegnung zu einer Ansteckung führen. Die Infektion erfolgt dann durch Anhusten, durch die feuchte Aussprache oder heftiges feuchtes Lachen und so etwas. Bei der Begegnung mit einem keuchenden Jogger reicht es, den Kopf etwas wegzudrehen und auszuatmen im Moment, wo er weniger als zwei Meter Abstand einhält. Aber Du hast natürlich Recht. Die Abstandsregeln einzuhalten ist heute auch eine Form von Respekt und Höflichkeit gegenüber dem vielleicht ängstlicheren Gegenüber.

Bliib xund!
André

 

Lieber André,
Bei „normalen“ Grippen habe ich festgestellt, dass der „Schnudder“ im Papiertaschentuch jeweils hellgrün gefärbt war. Mein Hausarzt hat mir gesagt, das dies ein Zeichen für einen viralen Infekt sei. Ist dies beim Corina-Virus auch so? Also ein Zeichen für eine Infektion (für welche Grippe dann auch immer)? Ist bei mir nicht so, kam mir aber in den Sinn. Zumal die heutigen Testmöglichkeiten nicht so einfach sind.
Vielen Dank für eine Antwort.
Cybergruss
Peter

Lieber Peter,
Die Grünfärbung von Schleim bedeutet, dass zahlreiche weisse Blutkörperchen (Eiter) vorhanden sind. Viren oder Bakterien provozieren einen Teil der weissen Blutkörperchen sich in den Schleimhäuten der oberen Luftwegen (Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen, Mund) und in den unteren Luftwegen (Luftröhre Bronchien) zu vermehren und im Schleimsekret zu sammeln. Sowohl gewisse Viren als auch gewisse Bakterien können die Produktion von Eiter verursachen. Die Grünfärbung des Schleims gibt keinen Hinweis auf die Art der Erreger.

Hoi André
Können wir unbedenklich Bestellungen von Lebensmittel ohne Handschuhe auspacken? Oder halten sich die Viren länger auf Verpackung und Lebensmittel? Wie lange überleben sie? Danke für die Antwort!
LG Gaby

Liebe Gaby,
Lebensmittel und andere Dinge auspacken ist nicht besonders riskant. Handschuhe zu tragen ist nicht notwendig. Wichtig ist, (bei jedem Kontakt mit rohen Lebensmitteln) sich vorher und nachher die Hände gut zu waschen. Verpackungsmaterial (nicht nur von Lebensmitteln) kann theoretisch kontaminiert sein, aber der Versandhandel spielt bei Virusepidemien und auch bei der aktuellen Corona-Virus-Pandemie keine erfassbare Rolle.

Wie lange Viren auf Oberflächen überleben hängt von vielen Faktoren ab: Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Porosität der Oberfläche. Was viele Menschen anfassen kann am ehesten infektiös sein. Gut bekannt ist, dass Türfallen, gemeinsam benutzte Tastaturen und Oberflächen von Esstischen bei einer Infektion eine Rolle spielen können. Auf vielen anderen Gebrauchsgegenständen werden erhebliche Mengen Viren nachgewiesen aber ob zum Beispiel Papiergeld wirklich eine Infektionskette bewirken kann, erscheint eher theoretisch.
Alles klar? Wir müssen mit Restunsicherheiten leben!

Bliib xund!
André

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